Verlassene Bahnhöfe: Geheimtipps & Lost Places Guide

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Verlassene Bahnhöfe sind aufgegebene Eisenbahninfrastrukturen – Empfangsgebäude, Güterschuppen, Bahnsteige, Stellwerke – die ihren Betrieb eingestellt haben, aber baulich noch existieren. Sie gelten unter Urban Explorern und Reisenden mit historischem Interesse als Geheimtipps, weil sie industriekulturelle Authentizität mit visueller Dramatik verbinden: Vergessene Orte, an denen die Zeit scheinbar stehengeblieben ist und wo Gründerzeitarchitektur oder Nachkriegsmoderne unberührt vor sich hinverwittert.

Inhaltsverzeichnis

Kurz zusammengefasst

Deutschland und Europa besitzen Hunderte verlassener Bahnhöfe unterschiedlicher Epochen. Viele sind rechtlich nicht frei zugänglich, aber einige befinden sich im Denkmalschutz oder werden durch geführte Touren erschlossen. Wer sie erkundet, sollte Sicherheitsrisiken kennen, die Etikette der Urban-Explorer-Community einhalten und niemals mutwillig beschädigen.

⚠ Wichtiger Hinweis

Das unbefugte Betreten verlassener Bahnhöfe kann Hausfriedensbruch darstellen und ist in vielen Fällen strafbar. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Holen Sie im Zweifel immer eine Genehmigung beim Eigentümer ein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verlassene Bahnhöfe existieren in fast jeder deutschen Region – viele sind kaum bekannt.
  • Geisterbahnhöfe unterscheiden sich von stillgelegten Bahnhöfen: Erstere liegen an aktiven Strecken, werden aber nicht angefahren.
  • Rechtslage: Betreten ohne Erlaubnis = Hausfriedensbruch. Genehmigungen sind möglich.
  • Sicherheit geht vor: Asbest, Einsturzgefahr und marode Böden sind reale Risiken.
  • Viele Lost Places werden revitalisiert – als Kulturzentren, Cafés oder Veranstaltungsorte.
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„Der erste Moment in einem wirklich verlassenen Bahnhof ist immer derselbe: totale Stille, obwohl alles nach Bewegung schreit. Diese Spannung zwischen Stillstand und einstiger Funktion – das ist es, was diese Orte so unwiderstehlich macht. Ich dokumentiere verlassene Eisenbahninfrastruktur seit über zwölf Jahren und lerne noch immer Neues.“

Marcus Pfeiffer
Industriefotograf und Lost-Places-Dokumentarist, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, Autor zweier Fotobände über stillgelegte Bahnstrecken in Mitteldeutschland.

Was sind verlassene Bahnhöfe und warum gelten sie als Geheimtipps?

Verlassene Bahnhöfe sind stillgelegte Empfangsgebäude oder Bahnhöfe ohne aktiven Betrieb. Als Geheimtipps gelten sie, weil sie abseits des Massentourismus liegen und Geschichte direkt erfahrbar machen.

Wer einmal durch die zerborstenen Fenster eines Gründerzeitbahnhofs geschaut hat, versteht den Reiz sofort. Diese Orte erzählen ohne Erklärtafeln – durch Abblätterndes Putz, rostige Schienenstücke, verblasste Anzeigetafeln. Kein Museum kann diese Unmittelbarkeit ersetzen.

Gleichzeitig sind viele dieser Orte tatsächlich noch kaum bekannt. Während Hotspots wie der Beelitz-Heilstätten regelmäßig überrannt werden, schlummern Dutzende kleinere Bahnhöfe in ländlichen Regionen nahezu unentdeckt. Das macht sie zu echten Geheimtipps für Reisende, die Authentizität über Komfort stellen.

Welche Arten von verlassenen Bahnhöfen gibt es?

Es gibt Personenbahnhöfe, Güterbahnhöfe, Rangierbahnhöfe und Grenzbahnhöfe – sowie die besondere Kategorie der Geisterbahnhöfe auf aktiven Strecken.

Die Bandbreite ist größer als viele denken. Ein verlassener Kopfbahnhof in einer ehemaligen Industriestadt unterscheidet sich architektonisch und atmosphärisch erheblich von einem kleinen Landbahnhof der 1950er-Jahre. Ebenso faszinierend: ehemalige Grenzbahnhöfe wie Ellrich oder Oebisfelde, die nach 1989 ihre strategische Bedeutung verloren und heute als stumme Zeugen der deutschen Teilung stehen.

  1. Personenbahnhöfe – oft mit repräsentativem Empfangsgebäude, Wartesälen und Perronüberdachungen
  2. Güterbahnhöfe – riesige Lagerhallen, Verladerampen, Gleisanlagen ohne Personeninfrastruktur
  3. Rangierbahnhöfe – industrielle Charakteristik, oft in Stadtrandlage
  4. Grenzbahnhöfe – historisch besonders aufgeladen, häufig in schlechtem Erhaltungszustand
  5. Geisterbahnhöfe – aktive Strecke, aber geschlossener Halt

Was ist der Unterschied zwischen Geisterbahnhöfen und stillgelegten Bahnhöfen?

Geisterbahnhöfe liegen an noch aktiven Strecken, werden aber nicht mehr angefahren. Stillgelegte Bahnhöfe gehören zu aufgegebenen Strecken ohne jeglichen Bahnbetrieb.

Das Berliner U-Bahn-Netz hat den Begriff populär gemacht: Stationen wie der ehemalige Geisterbahnhof Potsdamer Platz (DDR-Ära) oder der nie fertiggestellte S-Bahnhof Siemensbahn-Verlängerung sind klassische Beispiele. Züge fahren durch oder daran vorbei – halten tun sie nicht. Diese Orte sind durch Scheiben zu sehen, selten zugänglich, und dadurch umso geheimnisvoller.

Stillgelegte Bahnhöfe hingegen liegen auf Strecken, die komplett aus dem Betrieb genommen wurden. Hier stehen Weichen noch in Stellung, Fahrpläne hängen noch an der Wand – aber die letzte Bahn fuhr vor Jahrzehnten.

Expert Insight

In Deutschland gibt es laut Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte über 2.000 stillgelegte Bahnhofsgebäude. Die meisten befinden sich in ostdeutschen Bundesländern und strukturschwachen Regionen Westdeutschlands, die seit den 1970er-Jahren Bevölkerungsrückgang erlebten.

Warum werden Bahnhöfe aufgegeben?

Sinkende Fahrgastzahlen, Streckenstilllegungen, wirtschaftlicher Strukturwandel und Rationalisierungsmaßnahmen der Deutschen Bahn sind die häufigsten Gründe.

Die große Welle kam in den 1990er-Jahren. Nach der Wiedervereinigung übernahm die DB AG tausende Stationsgebäude der ehemaligen DR (Deutsche Reichsbahn) – und stellte schnell fest, dass ein Großteil wirtschaftlich nicht tragfähig war. Strecken wurden stillgelegt, Bahnhöfe geschlossen, Gebäude dem Verfall überlassen. Gleichzeitig rationalisierte die Bahn auch im Westen: Besetzte Schalter wichen Automaten, Bahnhöfe wurden rückgebaut oder verkauft.

Nicht immer ist es eine rein ökonomische Entscheidung. Manchmal verschwand die Industrie einer Region, manchmal verlagerte sich der Verkehr auf die Straße. Was bleibt, sind Gebäude – oft von hohem architektonischem Wert – ohne Funktion und ohne Pflege.

Welche historische Bedeutung haben verlassene Bahnhöfe?

Verlassene Bahnhöfe sind materielles Gedächtnis der Industrialisierung, des Kalten Krieges und des demografischen Wandels – oft besser erhalten als andere Zeitzeugen.

Eisenbahngeschichte ist Gesellschaftsgeschichte. Bahnhöfe waren einst Zentren des städtischen Lebens – Orte der Abreise, der Ankunft, der Begegnung. Viele Empfangsgebäude entstanden im wilhelminischen Repräsentationsstil: aufwendige Klinkerfassaden, gusseiserne Hallen, Mosaikfußböden. Wenn diese Gebäude verfallen, geht ein Stück gebaute Identität verloren, das sich nicht ersetzen lässt.

Wo findet man verlassene Bahnhöfe in Deutschland?

Verlassene Bahnhöfe finden sich in ganz Deutschland, mit Schwerpunkten in Ostdeutschland, dem Ruhrgebiet und strukturschwachen Mittelgebirgsregionen.
Region Bekannte Beispiele Besonderheit
Berlin & Brandenburg Siemensbahn-Stationen, Bahnhof Halbe Geisterbahnhöfe, DDR-Infrastruktur
Ruhrgebiet (NRW) Bf. Duisburg-Wedau, Güterbahnhof Essen Industriekultur, Gründerzeitarchitektur
Bayern Bf. Simbach, stillgelegte Lokalbahnen Ländliche Idylle, Holzbauweise
Sachsen / Thüringen Bf. Chemnitz-Hilbersdorf, Bf. Arnstadt Reichsbahn-Erbe, historische Ringlokschuppen
Sachsen-Anhalt Bf. Ellrich, Quedlinburg-Nebenstrecken Grenzbahnhöfe, Schmalspurbahn-Ruinen

Welche verlassenen Bahnhöfe gibt es in Berlin?

Berlin ist ein Sonderfall. Die Teilung der Stadt hinterlies ein Netz aus Geisterbahnhöfen und nie fertiggestellten Infrastrukturen. Die Siemensbahn-Stationen – Gartenfeld, Wernerwerk, Siemensstadt – liegen seit 1980 brach, sollen aber im Rahmen der geplanten Reaktivierung der Strecke bald wieder aufleben. Wer Berlin-Geschichte ernst nimmt, wird kaum an diesen Orten vorbeikommen.

Welche verlassenen Bahnhöfe gibt es in Nordrhein-Westfalen?

Das Ruhrgebiet bietet eine besondere Dichte: Ehemalige Güterbahnhöfe, Rangierbahnhöfe und Zechenanschlüsse aus dem frühen 20. Jahrhundert prägen das Bild. Der Bahnhof Duisburg-Wedau etwa ist ein Ensemble aus mehreren Jahrzehnten Eisenbahnbau und steht teilweise unter Denkmalschutz. Viele NRW-Bahnhöfe sind außerdem Teil der Route der Industriekultur – und damit touristisch erschlossen.

Welche verlassenen Bahnhöfe gibt es in Bayern?

Bayern überrascht mit einer anderen Ästhetik: Kleine Lokalbahnhöfe in Holzbauweise, idyllisch überwuchert, in Tallagen der Mittelgebirge. Die stillgelegten Nebenstrecken rund um Simbach am Inn oder entlang der Vils bieten urbane Exploration mit alpinem Flair. Wenig bekannt, wenig besucht – echte Geheimtipps.

Welche verlassenen Bahnhöfe gibt es in Ostdeutschland?

Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt besitzen die vielleicht eindrucksvollsten Überreste. Der Ringlokschuppen in Chemnitz-Hilbersdorf ist ein Museumsobjekt – andere Anlagen in der Umgebung sind es nicht. Besonders bemerkenswert: stillgelegte Schmalspurbahnstrecken, von denen einige Abschnitte inklusive Bahnhöfen vollständig erhalten sind, aber seit Jahrzehnten nicht befahren wurden.

Welche spektakulären verlassenen Bahnhöfe gibt es in Europa?

Europa bietet außergewöhnliche Beispiele: der Bahnhof Canfranc in Spanien, der Stazione di Napoli Vigliena in Italien oder der Central Station von Detroit – europaweit sind verlassene Bahnhöfe oft architektonische Höhepunkte.

Der Bahnhof Canfranc in den spanischen Pyrenäen gilt als einer der fotogensten Lost Places Europas: Ein monumentales Beaux-Arts-Gebäude, 1928 eröffnet, mitten in den Bergen – und jahrzehntelang dem Verfall überlassen, bis ein Hotelprojekt dem Gebäude seit 2022 neues Leben einhauchte. Ähnlich beeindruckend ist der Gare de Liège-Guillemins in Belgien – wobei dieser inzwischen als aktiver Bahnhof gefeiert wird. Verlassene Zustände sind in Westeuropa oft nur temporär.

Ist der Besuch verlassener Bahnhöfe legal?

In der Regel nein. Ohne Erlaubnis des Eigentümers ist das Betreten Hausfriedensbruch – unabhängig davon, ob ein Zaun vorhanden ist oder nicht.

Was bedeutet Hausfriedensbruch bei verlassenen Bahnhöfen?

§ 123 StGB schützt auch verlassene, eingezäunte oder scheinbar herrenlose Gebäude. Eigentümer – oft die DB AG, Kommunen oder private Investoren – können Anzeige erstatten. Die Tatsache, dass ein Gebäude seit Jahren leersteht und keine Sicherung vorhanden ist, ist rechtlich kein Freifahrtschein. In der Praxis bleibt es oft bei einer Ermahnung, aber das ist kein verlässlicher Schutz.

Welche Genehmigungen brauche ich für den Besuch verlassener Bahnhöfe?

Wer legal erkunden will, wendet sich direkt an den Eigentümer – oft die Deutsche Bahn AG (über ihre Immobilientochter DB Immobilien) oder die jeweilige Kommune. Für fotografische Zwecke lässt sich manchmal eine Drehgenehmigung beantragen. Das klingt aufwendig, ist es manchmal auch – aber es gibt tatsächlich Eigentümer, die froh über dokumentarisches Interesse sind.

Wie finde ich Zugang zu verlassenen Bahnhöfen?

Neben dem legalen Weg über Genehmigungen helfen: Lokale Stadtarchive, Denkmalbehörden, Eisenbahnvereine und Online-Foren wie IG Bahn-Dokumentation oder Lost-Places-Communitys auf Reddit und Facebook. Manchmal organisieren Stadtführer spezielle Touren – das ist der unkomplizierteste Einstieg.

Welche Sicherheitsrisiken bestehen bei der Erkundung verlassener Bahnhöfe?

Einsturzgefahr, Asbest, Schimmel, alte Elektroleitungen und instabile Böden sind die häufigsten realen Gefahren – keine sind zu unterschätzen.

Wer das erste Mal ein verlassenes Gebäude betritt, unterschätzt oft, wie schnell Baustoffe degenerieren. Ein Dielenboden, der vor zehn Jahren noch stabil aussah, kann heute durchgebrochen sein. Besonders alte Bahnhöfe aus der Nachkriegszeit enthalten häufig Asbestplatten in Decken oder Verkleidungen – unsichtbar, aber gefährlich bei Beschädigung. Morgenstunden nach Regen sind besonders riskant: nasse Böden, rutschige Treppen, aufgeweichtes Mauerwerk.

Wie erkenne ich einsturzgefährdete Bereiche?

Durchhängende Decken, sichtbare Risse im Mauerwerk, morsches Holz mit weißen oder braunen Verfärbungen (Pilzbefall), Wasserflecken an Wänden und Decken sowie verbogene Stahlträger sind klare Warnsignale. Im Zweifel: nicht hineingehen. Kein Foto ist eine Verletzung wert.

Welche Ausrüstung brauche ich für die Erkundung verlassener Bahnhöfe?

  1. Feste Schuhe mit gutem Halt, idealerweise knöchelhohe Wanderschuhe
  2. Handschuhe – schützend, nicht dekorativ
  3. Stirnlampe mit Ersatzbatterien (nicht nur das Handy)
  4. FFP2-Maske bei Verdacht auf Asbest oder starken Schimmel
  5. Erste-Hilfe-Grundausstattung
  6. Geladenes Handy und Offline-Karten der Region

Wer das zum ersten Mal macht, wird merken: Ein voller Rucksack klingt übervorsichtig, bis man das erste Mal ausrutscht.

Wie bereite ich mich auf einen Besuch vor?

Vorrecherche zu Eigentümer, Bauzustand und Lage ist Pflicht. Informiere mindestens eine Person über deinen Aufenthaltsort und geplante Rückkehrzeit.

Satellitenbilder (Google Maps, Bing Maps) geben oft erste Hinweise auf den Zustand des Gebäudes. Historische Luftbilder zeigen frühere Nutzung. Lokale Zeitungsarchive liefern Informationen zu Schließung und aktuellem Eigentümer. Wer auf Nummer sicher geht, kombiniert das mit einem kurzen Anruf bei der zuständigen Denkmalbehörde – die sind erstaunlich oft hilfsbereit.

Was muss ich bei der Fotografie in verlassenen Bahnhöfen beachten?

Fotografieren ist im öffentlich zugänglichen Außenbereich meist erlaubt. Im Innenbereich gilt: keine Verwertung ohne Eigentumsrecht am Gebäude, und veröffentlichte Standortangaben schaden dem Ort.

Das Fotografieren in verlassenen Gebäuden ist rechtlich grau. Das Urheberrecht an Fotos liegt beim Fotografen – aber das Hausrecht beim Eigentümer. Wer Bilder kommerziell nutzt (also für Bücher, Ausstellungen oder Stockfotoagenturen), sollte eine schriftliche Erlaubnis einholen. In der Community gilt außerdem ein inoffizielles, aber ernst gemeintes Prinzip: Keine präzisen Standortangaben veröffentlichen, die Orte werden sonst binnen Wochen vandalisiert.

Welche Verhaltensregeln gelten für Urban Explorer?

„Take nothing but photographs, leave nothing but footprints“ – diese Maxime fasst die Ethik der Urban-Explorer-Szene präzise zusammen.

Kein Aufbrechen von Türen, kein Mitgenommenes, kein Graffiti, keine übermäßige Publizität zu gefährdeten Orten. Wer einen Lost Place entdeckt, trägt Verantwortung für seinen Fortbestand. Gruppen größer als vier Personen ziehen unnötig Aufmerksamkeit auf sich. Diese Regeln entstammen keiner offiziellen Behörde – aber wer in der Community ernst genommen werden will, hält sich daran.

Welche architektonischen Besonderheiten haben historische Bahnhöfe?

Gründerzeitliche Bahnhöfe beeindrucken durch historisierende Fassaden, gusseiserne Säulen und aufwendige Ornamentik. Nachkriegsbauten der 1950er und 60er setzen auf Funktionalismus – Flachdächer, Glasbänder, klare Linien. Beides hat seinen eigenen Reiz. Wer die Wechsel der Architekturstile versteht, kann ein Gebäude auf den ersten Blick datieren.

Gibt es geführte Touren zu verlassenen Bahnhöfen?

Ja. Städte wie Berlin, Leipzig und Köln bieten spezialisierte Urban-Exploration-Touren an, teils in Kooperation mit Denkmalbehörden oder Eisenbahnvereinen.

Geführte Touren sind der einfachste legale Einstieg. Anbieter wie „Berliner Unterwelten e.V.“ erschließen Objekte mit historischem Hintergrundwissen und Genehmigung. Für Anfänger ist das ideal – man sieht echte Orte, ohne rechtliche Risiken einzugehen. Online-Plattformen wie Eventbrite oder lokale Kulturprogramme listen derartige Angebote zunehmend.

Welche verlassenen Bahnhöfe wurden revitalisiert?

Canfranc (Spanien) ist das bekannteste Beispiel. In Deutschland wurden Bahnhofsgebäude zu Restaurants (Bf. Brackwede, NRW), Kulturzentren (Bf. Halle-Trotha) und Hotelsuiten umgebaut. Die Erfolgsgeschichten zeigen: Denkmalschutz und wirtschaftliche Nutzung schließen sich nicht aus – sie brauchen nur kreative Ideen und engagierte Akteure.

Wie unterscheide ich echte Geheimtipps von bekannten Hotspots?

Bekannte Lost Places tauchen in großen YouTube-Kanälen und Instagram-Hashtags auf. Echte Geheimtipps finden sich in regionalen Geschichtsvereinen, Eisenbahnarchiven und lokalen Blogs.

Der Unterschied ist oft der Zustand des Ortes. Wer einen Bahnhof betritt, der schon hundertfach fotografiert wurde, findet Graffiti, herausgerissene Armaturen und zerbrochenes Mobiliar. Echter Geheimtipp bedeutet: Der Ort wurde von der Lost-Places-Szene noch nicht entdeckt. Das gelingt nur durch lokale Recherche – Archivbesuche, Gespräche mit alten Eisenbahnern, Studium historischer Streckenverzeichnisse.

Welche Jahreszeit eignet sich am besten für Besuche?

Winter und Frühling bieten die bessere Fernsicht durch entlaubte Vegetation – Gebäude sind zugänglicher, Einblicke größer. Sommer ist schwieriger: Bewuchs verdeckt oft den Zugang und wuchert durch Fensteröffnungen. Herbst hat seinen eigenen ästhetischen Reiz, aber Nässe erhöht Sturzgefahr erheblich.

Was mache ich, wenn ich auf Sicherheitspersonal treffe?

Ruhig bleiben, Ausweis zeigen, das Gelände auf Aufforderung sofort verlassen. Nicht diskutieren, nicht weglaufen.

Die meisten Begegnungen mit Wachdiensten oder Polizei verlaufen unspektakulär – besonders wenn kein Einbruch stattgefunden hat und man kooperativ auftritt. Schwieriger wird es bei Wiederholungstätern oder wenn Schäden entstanden sind. Wer legal unterwegs ist und eine Genehmigung dabei hat, ist in der komfortablen Position, sie einfach vorzeigen zu können.

Welche Online-Communities beschäftigen sich mit verlassenen Bahnhöfen?

Deutschsprachige Communities finden sich auf Reddit (r/urbanexploration), Flickr-Gruppen, speziellen Foren wie lost-places.com und in Facebook-Gruppen mit Tausenden Mitgliedern.

Die Szene ist aktiv, aber vorsichtig mit Standortangaben. Wer neu einsteigt, sollte erst Beiträge lesen, die Community-Etikette verstehen und keine präzisen Ortsanfragen stellen – das wirkt unprofessionell und wird oft ignoriert. Bessere Strategie: Eigene Dokumentationen teilen und dadurch organisch Kontakte aufbauen.

Häufige Fragen zu verlassenen Bahnhöfen

Sind verlassene Bahnhöfe in Deutschland öffentlich zugänglich?
Die meisten verlassenen Bahnhöfe sind nicht öffentlich zugänglich. Sie befinden sich im Privatbesitz – oft der DB AG oder Kommunen. Zutritt ohne Erlaubnis ist Hausfriedensbruch. Ausnahmen bilden denkmalgeschützte Gebäude mit organisierten Führungen.
Wie finde ich verlassene Bahnhöfe in meiner Nähe?
Historische Streckenverzeichnisse der DB, regionale Eisenbahnvereine, Stadtarchive und Lost-Places-Foren sind gute Startpunkte. Auch Google Maps-Satellitenbild-Analysen ehemaliger Gleisanlagen helfen bei der Suche nach unbekannten Objekten.
Was ist der Unterschied zwischen einem Lost Place und einem verlassenen Bahnhof?
„Lost Place“ ist der Oberbegriff für verlassene, vergessene Orte aller Art. Verlassene Bahnhöfe sind eine spezifische Kategorie davon – mit eigener historischer Bedeutung und eisenbahnspezifischen Strukturen wie Gleisen, Bahnsteigen und Stellwerken.
Kann ich verlassene Bahnhöfe fotografisch kommerziell nutzen?
Nicht ohne Erlaubnis des Eigentümers. Das Urheberrecht am Foto liegt beim Fotografen, aber das Hausrecht beim Eigentümer. Für kommerzielle Zwecke – Bücher, Ausstellungen, Stockfoto – ist eine schriftliche Genehmigung rechtlich erforderlich.
Welche verlassenen Bahnhöfe eignen sich für Einsteiger?
Geführte Touren zu denkmalgeschützten Bahnhöfen sind ideal für Anfänger. In Berlin bieten Berliner Unterwelten e.V. und ähnliche Organisationen Zugänge zu historischen Bahnobjekten – legal, sicher und mit Hintergrundwissen.

Fazit

Verlassene Bahnhöfe sind keine bloßen Verfallsobjekte – sie sind gebautes Gedächtnis, das wartet. Wer sie mit Respekt, Vorbereitung und dem nötigen rechtlichen Bewusstsein erkundet, begegnet einer Form von Geschichte, die kein Museum so unmittelbar vermitteln kann. Die schönsten Entdeckungen machen dabei meistens diejenigen, die nicht der Masse hinterherlaufen, sondern selbst in alten Streckenverzeichnissen blättern, mit lokalen Eisenbahnvereinen sprechen und bereit sind, einen Umweg zu fahren. Die Orte sind noch da. Man muss sie nur finden wollen.

Maja Kruse
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